Xiamy

Heute war ein Tag, auf den ich mich schon sehr lange gefreut hatte. Aber ich war auch nervös.

Die Enttäuschung darüber, dass es mir verwehrt wurde, mein Patenkind ThiCha im vietnamesischen Tram Tau zu besuchen, ist nach wie vor groß.

Umso erfreuter war ich über die Selbstverständlichkeit eines Besuches von Nilandone Xiamy im SOS Kinderdorf Phonsavan. „Wochentags ist sie in der Schule, aber an Wochenenden könne ich jederzeit vorbeikommen.“

Klingt ja fast zu einfach und als wir heute am frühen Nachmittag dort aufkreuzten, war weit und breit keine Menschenseele. Nach ein paar Minuten tauchte dann doch jemand auf und als ich mich vorstellte, war sofort alles klar. Ein kurzes Telefonat und der Direktor des Kinderdorfes kam im Eilschritt herbeigelaufen. Nach etwas Smalltalk – übersetzt vom Sekretär – marschierten wir los zu den Unterkünften der SOS Familien. Keinerlei Verschwiegenheits- oder Verzichtsvereinbarungen (wie es bei World Vision Vietnam erforderlich gewesen wäre), noch nicht einmal ein Ausweis war erforderlich.

Das Kinderdorf Xiengkhouang besteht aus 12 Wohnhäusern, in denen je 1 SOS-Mutter mit 7-8 Kindern wohnt. Insgesamt 92 Kinder, darunter Xiamy, werden hier betreut. Außerdem gibt es eine Primary- und eine Secondary-school, sowie einen Kindergarten, verschiedene Sportplätze und andere Einrichtungen, wie Computerraum (ordentlich ausgestattet) und eine Bibliothek. Ein richtiges kleines Paradies, in dieser eher triesten Stadt. Die Tatsache, dass wir, ebenso wie SOS Kinderdorf-Gründer Hermann Gmeiner aus Österreich stammen, war für den Direktor sichtlich ein Grund zur Freude.

Gründungsstein aus 1998. Im Hintergrund die Häuser der Familien

Im Haus Nummer 2 wohnt Xiamy, die gemeinsam mit ihren Mitbewohnern auf der Terrasse saß, als wir dort auftauchten. Etwas schüchtern trat sie hervor und verbeugte sich höflich vor mir. Bestimmt eine unangenehme Situation für eine 10-jährige. Gemeinsam mit dem Direktor, seinem Sekretär und der SOS-Mutter setzten wir uns mit Xiamy ins Wohnzimmer. Trotz lockerer Atmosphäre war’s anfänglich ein bisschen unangenehm für beide Seiten. Um sie aus der Reserve zu locken, überreichten wir ihr ein kleines Geschenk.

Jenga. Wir spielten eine Runde. Xiamy hat die Regeln sofort verstanden und war erstaunlich geschickt.

Anschließend zeigte sie uns noch ihr Zimmer und erzählte, dass sie von 30 Kindern in ihrer Klasse die drittbeste im vergangenen Schuljahr war. Wenn sie älter ist, möchte sie gerne Krankenschwester werden.

Es war großartig zu sehen, dass sie hier ein gutes Leben führt, wo man sich liebevoll um sie kümmert und wo sie auch gefördert wird, um in Zukunft erfolgreich sein zu können.

Nach rund einer Stunde war es an der Zeit, sich zu verabschieden. Genug Aufregung für einen Tag. Da es mittlerweile zu regnen begonnen hatte, fragte uns der Direktor, ob er uns zurück ins Hotel fahren solle. Das Angebot nahmen wir gerne an. Im Auto fragte uns der Sekretär, was unsere weiteren Pläne wären. Wir meinten, für heute wäre nichts mehr geplant, aber morgen wollten wir zur Ebene der Tonkrüge. „We can go there now!“ meinte der Direktor und kurz darauf waren wir auch schon dort. Den Eintrittspreis wollte er ebenso übernehmen und weigerte sich eisern, Geld von uns anzunehmen. Wir wären heute seine Gäste und es wäre ihm eine große Ehre, uns hier herumzuführen.

Die „Plain of Jars“ bestehen aus 3 Stätten, auf denen sich hunderte, uralte Steinkrüge befinden. Niemand weiß, wer sie gemacht hat und wofür sie da sind. Vermutet wird aber, dass sie als Gräber dienten. Dafür spricht, dass im letzten Jahr mehrere Skelette hier gefunden wurden. Viele der Gefäße sind aber mittlerweile zerstört, da die Gegend um Phonsavan zu den am heftigst bombardierten Gebieten des Vietnamkrieges zählt.

Anschließend kutschierte uns der Direktor noch durch die Stadt, um uns zu zeigen, wo seine Tochter – eine Polizistin – arbeitet. Für ihn und seinen Sekretär schien unser Besuch ein wirklich außergewöhnliches Ereignis gewesen zu sein. Als er erfuhr, dass wir am nächsten Tag ein Motorbike mieten wollten, bestand er darauf, uns dann vom Hotel abzuholen und zum Vermieter zu fahren. Auf ein Wiedersehen…

P.S. Da sich der Direktor weiterhin weigert, auch nur einen Kip anzunehmen, werden wir, wenn wir wieder zuhause sind, eine außertürliche Spende für das SOS Kinderdorf Xiengkhouang tätigen.

3 Kommentare zu „Xiamy

  1. Ronald Ertl 2019-06-30 — 23:11

    Freut mich riesig, dass ihr einen so tollen Tag mit vielen positiven Erfahrungen hattet. Wer Gutes gibt der bekommt Gutes zurück, vereinfacht gesagt. Bin erstaunt und gleichzeitig begeistert von eurer tollen Reise!
    Freue mich auf weitere Berichte und weiterhin so tolle Fotos.

    Liken

  2. i gfrei mi voi!!!

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle deine Website auf WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close