Back in time

Die Tage seit unserer Rückkehr aus Cebu vor einer Woche, verbrachten wir recht unspektakulär im Haus der Familie. Ohne moderne Technik und Medieneinfluss spielt die Uhrzeit hier keine Rolle.
Die Tage beginnen dennoch meist recht früh. Während Kikeriki und Wauwau meinen Schlaf längst nicht mehr stören können, sind es Momente, in denen mal wieder eine Kokosnuss aufs Wellblechdach knallt, oder das Geschrei des Kleinkinds nicht mehr ignoriert werden kann, die die Nacht beenden. Dazu sei jedoch anzumerken, dass Clari und ich den Luxus eines separaten Zimmers genießen. Alle andern – und das sind recht viele – schlafen gemeinsam im Wohnzimmer auf dünnen Matten, die jeden Abend erneut ausgebreitet werden. Da wäre Merci’s älteste Schwester Indaylady (75), deren 3 erwachsene Kinder Azelo, Richard (schläft meist in seiner Bäckerei) und Sharameh mit bereits erwähntem „Wecker“ Eli, das Geschwisterpaar Rinalyn (7) und Inday (11), Jessi alias Toto (17) und seine in Riad (Saudi Arabien) lebende Mutter Panga und eben noch Merci selbst, die sich das Matratzenlager teilen.

Man lebt hier einfach so in den Tag hinein, ohne große Pläne. Man spielt Karten, beschäftigt sich mit den Kindern – besonders Rinalyn erwartet meine vollste Aufmerksamkeit – oder man liegt einfach in der Hängematte und wartet, bis das Essen fertig ist. Meist gibt es gebratenen Fisch, Shrimps und Rindfleisch oder Hühnchen (übrigens, das Huhn aus dem Vorgarten hab ich schon seit längerem nicht gesehen). Jeden Tag ein üppiges Festmahl. Aber nur, solange die „reiche“ Verwandtschaft aus dem Ausland hier ist. Die Realität sieht vermutlich anders aus. Wir genießen hier definitiv viele Privilegien und werden von allen Seiten umsorgt.

Eine kleine Anekdote: Ich stand im oberen Stockwerk gerade am Fenster und schaute aufs Meer hinaus. Eine Handvoll Kinder spielte am Strand. Es dauerte nicht lange und deren Aufmerksamkeit galt allein mir: „give us chocolate!“ Auf meine Antwort, ich hätte keine Schokolade, folgte umgehend: „ok, then give us money!“

So ist das eben, aber dennoch genieße ich die Aufmerksamkeit, wenn man durch die Straßen spaziert. Übrigens, spazieren tut hier normalerweise keiner. Selbst kürzeste Strecken werden mit dem Tricycle zurückgelegt. Bei einem Fahrpreis von 8 Peso (ca. 16 cent) pro Person und Strecke aber auch kein Wunder.

Umso mehr leiden unsere Begleiter, wenn wir darauf bestehen, zu Fuß zum Markt zu laufen. Alleine aus dem Haus lässt man uns noch immer nicht. Im Ort gibt es ein kleines Spa, wo man sich für 150 PHP (ca. 2,70 €) eine halbe Stunde professionell und in angenehmer Atmosphäre massieren lassen kann. Dieses unschlagbare Angebot haben wir mehrmals in Anspruch genommen. Strandspaziergänge sind aufgrund von Müll und Schlamm nicht zu empfehlen, aber vom Pier aus hat man einen herrlichen Ausblick über das Meer.

Abendessen gibt’s bei Sonnenuntergang, was hier auch recht früh ist. Bereits um halb 7 ist’s stockdunkel. Anschließend noch eine schnelle Dusche (aus dem Kübel) und ab ins Bett. Egal wie spät, oder früh es auch sein mag (um wieder auf meine Einleitung zurückzukommen).

Einen erwähnenswerten Tagesausflug zum Freizeitziel Nummer 1 unternahmen wir dann doch noch und das ausgerechnet am Ostersonntag. Kann ja niemand ahnen, dass auch noch andere Menschen an diesem Tag diese Idee haben würden. Bereits um 3 Uhr früh begannen Merci und Panga mit dem Vorkochen, damit das Picknick ein voller Erfolg werden kann. Um 7 gings los im teuer gemieteten Van, der sich dann doch bloß als Kombi mit zusätzlicher Sitzbank im Kofferraum entpuppte, nach Mambukal. Im Prinzip ein Resort, bestehend aus verschiedenen Hotels, Restaurants und Poollandschaften inmitten grüner Natur. Bereits hunderte Meter vorm Ziel war klar, wir würden nicht die einzigen sein.

Den überraschten Gesichtern der Familie folgten Überlegungen, ob wir nicht gleich wieder nach Hause fahren sollten. Sind ja nur weitere 2 Stunden eingezwängt im Auto. Ich bestand aber darauf, hierzubleiben. Während die anderen dann im Restaurantbereich warteten, wanderten Clari, Toto und ich zu den Wasserfällen.

Wenigstens dort waren nicht ganz so viele Leute. Dafür aber umso mehr Fledermäuse.

Nach rund 2 Stunden erreichten wir wieder das Resort, wo uns der Vorschlag unterbreitet wurde, ein anderes Resort, bloß 1 Stunde entfernt, anzusteuern. Das wäre sicher nicht so überfüllt. Gesagt getan. Vorort dann die Ernüchterung und der Rückwärtsgang wurde eingelegt. Am Heimweg lag dann noch eine Ruine. „Was wollt ihr denn dort, ist doch nur ein altes Gebäude?“ Ja und was für eines. Während die anderen im Wagen warteten, spazierten Clari und ich durch herrlich grüne Gärten, genossen einen leckeren Coconutshake und erfreuten uns am Anblick der Ruine.

Ob die anderen mit diesem Ausflug zufrieden waren, kann ich nicht beurteilen, aber wenigstens wir hatten daraus das beste gemacht.

Um die Einstellung zu Leben und Tod hier zu beschreiben, bietet sich folgendes Erlebnis an: wir wollten gerade mit dem Tricycle in unsere Straße einbiegen, doch eine Menschentraube verhinderte die Weiterfahrt. Geradezu panisch reagierte Clari’s Mama Merci und befahl die sofortige Umkehr. Den Grund für diese Reaktion erfuhren wir wenig später. Der Nachbar war beim Angeln auf hoher See an einem Hitzeschlag gestorben und es wurde eine Totenwache für ihn abgehalten. Unsere Anwesenheit wäre dabei wohl unangebracht gewesen. Tage später liefen wir erneut die kleine Gasse entlang. Immer noch standen einige Menschen an jener Stelle eng beisammen. Zu unserer Verwunderung lag der Leichnam nach wie vor aufgebart in deren Mitte. Life is different.

Das Monat auf den Philippinen ist beinahe um. Auch wenn nicht immer alles perfekt verlaufen ist, so war es doch eine ganz besondere und schöne Erfahrung, gemeinsam mit der Familie den Alltag zu bestreiten. Zeit, sich von ihnen zu verabschieden. 2 Tage werden wir anschließend noch in der Hauptstadt verbringen, bevor wir dann den Flieger nach Saigon besteigen.

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