Kulturschock

Nach einer Woche Zukunft, sind wir nun zurück in der Vergangenheit. Cadiz City, eine Autostunde nördlich von Bacolod, Heimat von Clari’s Mama Merci. Bereits die Busfahrt vom Flughafen hierher war nervenaufreibend. Regel Nummer 1, es gibt keine Regeln. Regel Nummer 2, wer bremst, verliert. Augen zu und durch. Cadiz selbst ist staubig, laut und hektisch, trotz Dorfcharakter. Hier gibt es keinen Luxus. Und keine Touristen. Entsprechendes Aufsehen erweckt da meine Anwesenheit. Vom Lächeln der Kinder, verlegenem Wegschauen, über freche „Hey Joe“ Rufe einiger Jungs, bis hin zu spontanen Liebesbekundungen ist alles dabei. Bisheriges Highlight stellt jener Ladyboy dar, der vor mir auf die Knie fiel und Lionel Richie’s „Hello“ in beachtlicher Sangesleistung zum Besten gab.

Das Haus der Familie liegt in einer kleinen Gasse, in der alte Männer Brettspiele spielen, streunende Hunde in der Sonne brutzeln und kleine Kinder auch ohne Smartphone Spaß haben. Als eines der wenigen Häuser dieser Gegend ist es in Massivbauweise ausgeführt und hat schon so manchen Tropensturm überlebt. Ein schweres Eisentor schützt vor ungebetenen Gästen, wobei hier nicht die Angst vor Dieben überwiegt, sondern vielmehr jene vor möglichen Hausbesetzern ein reales Problem auf den Philippinen darstellt.
Hauptbewohnerin ist die 75-jährige Schwester von Clari’s Mama. Sie wird von Kristel, der 17-jährigen Nachbarin im Haushalt unterstützt. Platz ist ausreichend vorhanden und die Einrichtung ist überraschend liebevoll.

Für Clarissa und mich gibt es ein fast eigenes Zimmer. Fast, weil ab und an mit mehrbeinigen Gästen zu rechnen ist. Eine handtellergroße Spinne bewohnt die Zwischendecke, während die riesige Kakerlake bei einem tragischen Unfall ums Leben kam. Sie hinterläßt ihren Ehemann und 7 Kinder, die sich zur Zeit des Unglücks gerade im Badezimmer erfrischten. Übrigens, eine Dusche ist vorhanden, Wasser kommt aber oft keines heraus. Dann heißt es, aus dem Kübel schöpfen. Auch Strom kann nicht garantiert werden, was nicht so schlimm ist, denn Internet, oder Klimaanlage gibt’s ja ohnehin nicht. Da es den Fenstern an Fensterscheiben mangelt, weht immer eine leichte Meeresbrise und der Ausblick auf die weite See entschädigt sowieso für all die Komforteinbußen.

Schwimmen im Meer ist leider nicht zu empfehlen, da zigtausende schwarze Quallen im Wasser treiben. Anlässlich unserer Ankunft waren viele Familienangehörige gekommen und hießen uns mit einem üppigen Festmahl willkommen.

Überhaupt sind alle sehr bemüht, dass es uns hier gefällt. Und das tut es auch. Leider dürfen wir das Grundstück nicht ohne Begleitung verlassen. Zu groß ist die Angst, man könnte uns verschleppen. Schwer vorstellbar, da die Menschen alle hier so herzlich sind. Wie überall auf der Welt gibt’s aber auch hier die, die mit „Fremden“ nichts zu tun haben wollen, wie wir feststellen mussten, als wir in Begleitung der Familie einer öffentlichen Sportveranstaltung beiwohnen wollten und ein älterer Herr wild gestikulierend uns der Halle verwies. Schade.

1 Kommentar zu „Kulturschock

  1. Besser hättest den Titel für diesen Beitrag nicht wählen können, nachdem ich erst kurz davor deinen vorigen Beitrag gelesen habe.

    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle deine Website auf WordPress.com
Jetzt starten
%d Bloggern gefällt das:
search previous next tag category expand menu location phone mail time cart zoom edit close